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Die kindliche Faszination von Kung Fu – und Karate-Filmen, die die Verbindung von tiefgründigen, geheimnisvollen Lehren, geistiger Schulung und außergewöhnlichen Fähigkeiten in der Kampfkunst darstellten, führte mich während meines Studiums auf die Suche nach etwas Vergleichbarem, das nicht im Orient sondern in Berlin unterrichtet wurde.
Ende der Achtziger Jahre kam ich in Kontakt mit Tai Chi Chuan.
Diese antike chinesische Kampf- und Bewegungskunst versprach in ihren Legenden vom Gründer und den großen herausragenden Persönlichkeiten der letzten 200 Jahre eine sagenhafte weiche Kraft, die einen Gegner mit Leere empfing, wo er Härte erwartete, und ihm dadurch seine Kraft nahm, um sie im gleichen Moment gegen ihn zu verwenden.
Die Prinzipien dieser Kampfkunst werden in den rätselhaften Klassischen Schriften des Tai Chi vorgestellt und erläutert, die wiederum Bezug nehmen auf sehr alte Texte wie zum Beispiel dem I Ching (Buch der Wandlungen) oder dem Tao Te Ching (Buch vom Tao und der Tugend).
Somit gab es genug Zusammenhang zu tiefer gehenden Lehren und zumindest eine theoretische Aussicht auf überragende Fähigkeiten, die in einem relativ freundlichen Sparring – genannt Push-Hands – mit wechselnden Partnern trainiert wurden. Bei diesen Schiebende-Hände-Übungen versucht man den Partner aus dem Gleichgewicht zu schieben, ohne selbst das Gleichgewicht zu verlieren.
Ich begann mit Tai Chi Chuan und lernte zuerst die kurze Yang-Form nach William C.C. Chen, einem Schüler von Cheng Man-Ching, und später auch die Kurzform nach Cheng Man-Ching. Gleichzeitig versuchte ich soviel Push-Hands zu üben, wie möglich.
Nach vier bis fünf Jahren hatte die Form eine vertretbare Präzision und im Push-Hands hatte ich eine akzeptable Gewandtheit und Geschicklichkeit erreicht. Dennoch konnte ich damit bei wesentlich kräftigeren oder schwereren Partnern nichts ausrichten, selbst wenn diese nicht so viel Erfahrung hatten.
Die Tai Chi Klassiker mit ihren rätselhaften Hinweisen waren ebenso noch ein Mysterium wie die Antwort auf die Frage, inwieweit die Formarbeit das Push-hands verbessern könnte.
Allein aus der Tatsache, dass die langsamen und entspannten Bewegungsabfolgen die Grundlage für die Erlangung dieser Fähigkeiten darstellen sollte, wurde langsam klar, dass größere Muskelkraft oder Geschwindigkeit nicht das Ergebnis dieses Trainings werden würde. Wie sonst sollte man dann aber einen Partner überwinden?
In diesen Punkten schien das Training unvollständig und der Fortschritt damit begrenzt zu sein.
Mitte der neunziger Jahre besuchte ich ein internationales Tai-Chi-Netzwerktreffen in Italien und lernte sehr viele Tai-Chi-Freaks aus ganz Europa kennen. Diejenigen, die mich beim Push-Hands durch ihre Weichheit und Effizienz beeindruckten, nannten alle die gleiche Person als ihren Lehrer: Patrick Kelly (www.patrickkellytaiji.com).
Bereits auf dem ersten Workshop von Patrick Kelly wurden meine vorsichtigen Erwartungen bei weitem übertroffen. Es wurde schnell deutlich, warum Tai Chi eine „innere“ Kunst ist, bei der das Training und die Entwicklung des Geistes eine herausragende Rolle spielen.
Die Art und Weise, wie der Tai Chi-Unterricht von Patrick Kelly präsentiert wurde, sowie seine Fähigkeiten im Push-Hands, die alles, was ich vorher gesehen und erlebt hatte, bei weitem in den Schatten stellten, vermittelten die Gewissheit, dass hier jemand wusste, wovon er sprach.
Und wenn er über Tai Chi sprach, gab es keine Geheimnisse. Jede Frage war erlaubt und wurde präzise und umfassend beantwortet. Dabei wurden nach und nach auch die Schemen eines schlüssigen Systems sichtbar, das und nach dem er unterrichtete. Als Bonbon obendrauf vermittelte er den Eindruck, dass es dennoch immer noch mehr gab, von dem er nicht sprach.
Das machte die Sache spannend für später.
Auf jeden Fall war ein Lehrer gefunden, der mich an die Pforte zu einem tieferen Verständnis von Tai Chi führen konnte, obwohl es noch einige Jahre dauern sollte, bis ich diese Pforte durchschritt.
Mit mehr als zehn Jahren an intensiver Unterweisung sind die grundlegenden Prinzipien der elastischen inneren Körperkraft klar genug, um sie auch unterrichten zu können.
Allen, die auf der Suche nach diesen verborgenen Inhalten des Tai Chi sind, ist mein Unterricht gewidmet.
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